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Steinbach am Attersee

Bergsteigerdorf
Steinbach am Attersee

Wo dem Gebirge ein See zu Füßen liegt

Steinbach am Attersee ist ein Ort der Inspiration. Die schroffen Felswände des Höllengebirges kontrastieren mit dem Smaragdgrün des Sees. An den sanften Westhängen zwischen See und Berg liegt Steinbach, ein Ort, der mit großen Namen der österreichischen Kulturszene eng verbunden ist: Gustav Klimt, Friedrich Gulda, Gustav Mahler und Heimito von Doderer verarbeiteten Eindrücke dieser Landschaft in ihren Werken.

Ende Juni im Bergsteigerdorf Steinbach am Attersee: Mahlers 3. Symphonie legt sich über die frisch gemähte Wiese. Die Musik ertönt aus dem offenen Führerhaus eines Traktors, was bei einem vorbeispazierenden Ehepaar augenscheinlich Verwunderung auslöst. Dabei sind es wahrlich Steinbacher Klänge: Gustav Mahler verbrachte drei Jahre lang seine Sommerfrische in Steinbach und verarbeitete die Atmosphäre dieser Landschaft in seiner weltberühmten Symphonie. Seinem Freund Bruno Walter soll Mahler bei einem Spaziergang am Fuße des Höllengebirges erklärt haben: „Sie brauchen gar nicht mehr hinzusehen, das habe ich alles schon weg komponiert.“ Der Traktor des Haselbauern wendet und tuckert über einen Feldweg davon.

Im Rhythmus meiner Schritte klingt die Musik in mir nach. Das frühsommerliche Schönwetter treibt mich auf den Berg und ich habe beschlossen, über den Brennerriesensteig auf das Höllengebirge zu wandern, um der Brennerin (1.602 m) einen Besuch abzustatten.Der Weg führt von der ehemaligen Schiffsanlegestelle im Ortsteil Forstamt bald in den angenehm kühlen Wald. Tonnenschwere Kalkblöcke liegen moosbewachsen zwischen den Bäumen. In meiner Kindheit war dies der "Zwergerlwald“, das Reich der Zwerge und Feen, die sich in den vielen Felsklüften und Baumwurzeln versteckten. Gebietskundigen Lesern wird dieses Gebiet jedoch eher unter dem Namen „Bouldergebiet Attersee“ bekannt sein. Tatsächlich: Unter einem über-hängenden Block sitzt eine Gruppe junger Kletterer, die gerade ihren Kameraden an-euern: „Ziiieeehhh!“ Fast spielerisch erwischt er den letzten Griff und bekommt dafür anerkennende Zurufe. Sonnenstrahlen spielen im Buchenlaub und der weiche Waldboden lädt ein, sich niederzulassen. Im Hintergrund funkelt der See. Es ist schon verständlich, dass sich dieses Bouldergebiet wachsender Beliebtheit erfreut.

Meisterhaft angelegt:
der Brennerriesensteig

Mein Ziel liegt heute allerdings höher oben und eine Viertelstunde später habe ich die Felswand erreicht. Die erste Steilstufe ist Respekt einflößend, kann aber mit Hilfe einer Eisenleiter ohne Schwierigkeiten überwunden werden. Nun zieht der Weg elegant durch die Felswand nach oben. Was von unten schier unmöglich erscheint, stellt sich bei näherer Betrachtung als völlig problemlos heraus: Vor etwa hundert Jahren wurde dieser Weg durch die „Brennerriese“ meisterhaft angelegt. Der gut gewartete Weg führt in vielen Serpentinen und stetiger Steigung hinauf. Über einige ausgesetztere Stellen helfen Drahtseilversicherungen. Die Ausblicke sind einzigartig und mit jedem öhenmeter weitet sich der Horizont. Nun ist auch der Mondsee schon zu sehen. Nach insgesamt etwa drei Stunden stehe ich auf der kargen Almwiese der aufgelassenen Brennerinalm und wenige Minuten später beim Gipfelkreuz der Brennerin.

Über das "echte Bergsteigen"

Die Gipfelrast nutze ich, um den Blick und die Gedanken schweifen zu lassen: Ich sehe
die weite Ebene des Alpenvorlandes und den recht abrupten Beginn der Nördlichen Kalk-lpen: Drachenwand, Schafberg bis hin zum Salzburger Untersberg. Dazwischen einge-ettet sind die Salzkammergutseen, Überreste mächtiger eiszeitlicher Getscherzungen. Eine Frage beschäftigt mich: „Warum ist Steinbach am Attersee ein Bergsteigerdorf, hier kann man doch gar nicht richtig Bergsteigen?“ Mehr als einmal wurde mir diese Frage gestellt, und ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig das Höllengebirge unter Berg-teigern bekannt ist. Wer es genau wissen will, dem seien die klassischen Routen im V. Schwierigkeitsgrad empfohlen, die ohne Bohrhaken durch oft brüchiges Gestein führen. Das waren wohl unbestritten „richtige Bergsteiger“, die beispielsweise die Route durch die Eiblgupf-Nordostwand mit schweren Bergschuhen („G’nagelten“) und Hanfseil eröffnet haben. Nun gut, diese alpinen Klassiker entsprechen nicht mehr dem Sicher-eitsdenken, das heute glücklicherweise auch im Bergsport Eingang gefunden hat. Umso beliebter ist der Klettergarten „Adlerspitze“, der eine Vielzahl an gut sanierten Ketter-routen in allen Schwierigkeitsgraden bietet und in der einschlägigen Führerliteratur zu Recht mit der Beschreibung „landschaftlich reizvoll“ versehen ist.

… und echte Wanderfreuden

Neben diesen doch eher extremen Touren lädt das weit verzweigte Wegenetz im Hllengebirge zu ausgiebigen Bergwanderungen vom Attersee bis hinüber zum Traunsee ein. Mit einem Feldstecher könnte ich von meinem Aussichtsplatz den vermutlich regen Betrieb auf der Terrasse des Hochleckenhauses beobachten. Wie gut nach dem schweißtreibenden Aufstieg das wohlverdiente Bier auf der Sonnenbank schmeckt, ist unschwer auszumalen. Immer wieder finden sich unter den Hüttengästen auch kleine Nachwuchsalpinisten, die sich mit ordentlichem Hunger über ihren Kaiserschmarren hermachen. Ein konditionell weit weniger anspruchsvoller Familienausflug führt zum Nixenfall. Der Weg zu diesem sehenswerten Wasserfall ist anfänglich entlang des Weißenbachs angelegt, der mit seinen Schotterbänken wunderbare Spielmöglichkeiten bietet: eine jener Wanderungen, bei denen die Eltern nicht ständig mit der Frage „Wie weit ist es denn noch – sind wir bald da?“ gequält werden. Das Bergsteigerdorf Steinbach ist eben in erster Linie auch ein Wanderparadies.

Ein Geheimtipp

Mehr als tausend Höhenmeter unter mir kreuzen Segelboote über den See. Die Vorstellung, in das erfrischend kühle Nass zu springen, ist so verführerisch,
dass ich meine Gedanken unterbreche und meinen Rucksack packe, um mich auf den Rückweg zu machen. Als ich dann unten angekommen endlich das verschwitzte Berggewand gegen den Badeanzug tausche, steht die Sonne schon flach über dem Wasser. Das Abendrot taucht das Gebirge in ein sattes, dunkles Orange. Dieses
unglaubliche Farbenspiel dauert nur wenige Minuten und ist der krönende Abschluss eines ausgefüllten Bergtages.

Mein Fazit: Steinbach am Attersee ist ein wahrlich inspirierender Ort mit dem ganz gewissen „Etwas“. Als Badeort bekannt und als Bergsteigerdorf wohl ganz oben auf der Liste der Geheimtipps einzureihen.

von Gudrun Wallentin, Salzburg - Bergauf 2/2012

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